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Ungewohnte Wege, parallele Welten

Mit ihrem neuen Album „Parallel Universe“ beschreiten die Plain White T’s ungewöhnliche Wege und verzichten in großen Teilen auf ihren typischen Akkustikgitarren-Indiesound, mit dem sie berühmt wurden.

„Wir könnten nicht glücklicher sein mit dem neuen Album. Als wir mit der Produktion losgelegt haben waren alle richtig aufgeregt“, erklärt Tom Higgenson, der Sänger der Band. Dabei entstand das Album erstmal wie jedes andere. „Wenn mir eine Idee kommt, dann setze ich mich hin und schreibe. Eine einfache Akkustikgitarre, meine Stimme und dann entwickelt sich der Song um die Akkorde. Meist habe ich die Struktur schon im Kopf.“ Wie auf den Alben zuvor bleiben die PWTs dabei ihrer Eingängigkeit und ihrem Songwritingstil treu, doch der Rest der Platte sollte diesmal anders sein. Die T’s betraten ein paralleles Universum, wie Higgenson es beschreibt: „Jeder weiß ja wie wir klingen und wer wir sind. Deswegen wollten wir diesmal jedes Detail im Prozess anschauen und anders machen. Wir haben die Songs genommen und dann überlegt, was wir wirklich brauchen, um daraus die beste Version herauszuholen. Wir haben also, so bescheuert es klingt, die auf Akkustikgitarre geschriebenen Songs wieder heruntergebrochen und dann geschaut, was wir um die Melodie herum für ein neues und interessantes Gerüst bauen können. Eine Akkustikgitarre muss nicht sein, es geht auch anders. Wir haben viel mit elektronischen Elementen wie Loops und Synthezisern rumgespielt und ein leicht verschobenens Bild der Plain White T’s herausbekommen.“

Und tatsächlich fällt diese Verschiebung durchaus auf, da mischen sich verspielte Synthies mit Vocoder-verzerrten Vocals und fast schon 80er Jahre-reminiszenten Rhythmussektionen. Insgesamt deutlich elektronischer, als man es vom „Hey there, Delilah“-Sound der Band erwartet. Doch die Parallelität der Band ist auch sonst zu spüren: „Wir haben auch beim Drumherum auf eine Wandlung gesetzt. Haben absichtlich andere Klamotten für die Bandfotos ausgewählt, nicht das, was wir schon immer getragen haben. Und auch die Videos sind mit neuen Ideen versehen. Das ganze Konzept ist eben eine Parallelwelt zu der, in der wir uns die letzten Jahre bewegt haben.“

Fazit: „Parallel Universe“ ist zugleich ein Aufbruch in neue Klangwelten und doch eine Bestätigung des Könnens der Band. Toll arrangierte Popperlen und leichte Indie-Songs, nur eben etwas anders instrumentiert.

Ursprünglich erschienen im START 09/2018