Seit 15 Jahren bestimmen die Jungs von Eisbrecher die deutsche Rockszene mit und können dabei auf so manchen Erfolg zurückschauen. Mit „Ewiges Eis“ tun sie nun genau dies und lassen uns alle teilhaben…

Manchmal kracht es, manchmal knarscht es. Und wenn sich der Rauch verzogen hat, dann steht man mitunter besser da als vorher. Als Alex Wesselsky und Noel Pix im Jahr 2003 bei Megaherz, Speerspitze der Neuen Deutschen Härte, ihre Hüte nahmen, war das so ein Moment. Denn mit der Gründung von Eisbrecher schufen die beiden Münchener Musiker ein musikalisches Rockkraftwerk, dass dem Vorgänger den Rang als Innovator des brachialen Sounds ablaufen konnte. „Ewiges Eis“ ist nun eine Werkschau der Band, die sich der letzten 15 Jahre widment und dabei auf gleich zwei Scheiben nicht nur die „Greatest Hits“ (19 Stücke auf CD1) versammelt, sondern dank ihrer „Eisspezialitäten – Remixe und Raritäten“ auf CD 2 auch 19 seltene Versionen und noch seltenere B-Seiten, die sonst nur der wahre Sammler sein eigen nennen wird.

Musikalisch und textlich bieten Eisbrecher einen Sound der Härte und Direktheit – eine Qualität die Alex sich auch selbst zuspricht: „Ich bin so wie ich bin. Da wird nichts angepasst und wenn mir was nicht passt, dann sag ich es. Das machen wir mit der Band auch so, nicht zwingend bei jedem Song, aber wenn uns was auf den Nägeln brennt, dann packen wir das an. Wir wollen nicht jedes Mal mit der Moralkeule austeilen, aber wenn es was zu sagen gibt, dann halten wir nicht hinterm Berg.“ Auf dem aktuellen Album haben sie deswegen eine Coverversion des Rio Reiser-Klassikers „Menschenfresser“ beigesteuert, in dem der Meister von den Menschen singt, die andere ausnutzen und verbrauchen. Obwohl in den 80er Jahren geschrieben, hat er für die Band noch immer Bedeutung, so Alex: „Eine Bühne ist an sich ein öffentlicher Raum und damit für uns politisch. In Zeiten wie diesen ist es dann umso wichtiger, dass man den Leuten zeigt, dass es Bands gibt, die dagegen halten.“ Und auch sonst bieten die Songs jede Menge Reibungspunkte, jede Menge Aussagen zum Aufregen. Für Alex durchaus im Sinne des Erfinders, denn er möchte mit seinem Publikum kein intellektuelles Versteckspiel spielen – die Songs sind geradeheraus, offen, schmerzvoll. Und auch noch 15 Jahren gilt für Eisbrecher dementsprechend: „Musik muss manchmal weh tun.“

Fazit: „Ewiges Eis“ ist eine brachiale Retrospektive durch 15 Jahre harter, direkter Rockmusik – immer den Problemen direkt ins Gesicht geschaut, egal wie schmerzhaft es auch ist.

Ursprünglich erschienen im START 10/2018