Mit seinem neuem Live-Album präsentiert sich der schottische Singer-Songwriter Ray Wilson ein weiteres Mal in einem neuen Umfeld – als Gast der ZDF-Livemusikreihe @Bauhaus …

Manchmal, so meint Ray Wilson, müssen die Dinge einfach passen: „Das wir im Bauhaus aufgetreten sind, war einfach großer Zufall. Bei der ZDF-Produktion ist ein Künstler ausgefallen und da hat die Redaktion angerufen. Da wir gerade auf Tour waren und eine Lücke im Zeitplan hatten, sind wir hingefahren.“ Die Reihe wird seit 2011 vom ZDF organisiert und konnte bereits mehr als 100 Konzerte in eine der wohl spannendsten Locations in Deutschland holen: das Bauhaus in Dessau, das seit den 1920er als eine Ikone der Moderne gilt und wie kaum ein anderes Gebäude dessen Einfluss auf die Kunst in all ihren Formen verkörpert. Doch der historische Ort hatte für die Band auch seine Tücken: „Wir mussten uns da in der Show schon deutlich drauf einstellen. Zum einen war das Format der Sendung ein Konzert von 75 Minuten, also kürzer als wir normal spielen. Und dann waren Bühne und Raum klein und intim, die Akustik des alten Gebäudes war ungewöhnlich. Die ganzen glatten Oberflächen reflektierten den Ton, was mit den Drums ein Problem war. Wir haben zum Beispiel mit Besen gespielt, statt mit Sticks, damit es nicht scheppert. Und wir haben unser Set angepasst und fast so etwas wie ein MTV Unplugged Konzert gespielt. Mit minimalisiertem Sound, der sich dem Ort angepasst hat. Viel leiser als üblich, es war super und passte total gut.“

Auf dem Album finden sich eine Auswahl der besten Songs aus Rays Karriere, von der energischen Rockband Stiltskin („Inside“), über seine Versionen von Genesis-Klassikern („No Son of Mine“, „Mama“), bis zum eigenen Songwriter-Sound der Solo-Alben („Change“). Der Sound jedoch ist so persönlich wie die Location, mit vielen warmen Gitarrenklängen und Rays Whiskey-durchströmter Stimme. Auf der Videoversion sieht man Ray auf der nahezu ebenerdigen Bühne direkt vor seinem Publikum stehen – eine intime Erfahrung für die ausgewählten Besucher, wenn der Sänger sich voll und ganz für die Songs öffnet und über den Tod eines Bandkollegen oder seine Kindheit in Schottland spricht. Die von ihm für das Konzert ausgewählten Songs jedenfalls passen wunderbar in diese Atmosphäre. Ray Wilson scheint wie für das Bauhaus gemacht.

Fazit: „ZDF@Bauhaus“ zeigt den vielseitigen Singer-Songwriter von seiner akkustischen und sanften Seite – eine intime Location für ein wundervolles, intensives Livekonzert.

Ursprünglich erschienen im Start 10/2018