Ganze sechs Jahre liegt das letzte Album von Peter Heppner zurück und es scheint als wolle er die verlorene Zeit wieder gut machen – gleich zwei Alben bringt er nun heraus und beweist seine Vielseitigkeit.

Peter Heppner sitzt bei spätsommerlichem Sonnenschein im Hamburger Szeneviertel Ottensen und nippt ab und zu an seinem Latte-Macchiato während er den Entstehungsprozess der Alben „Confessions & Doubts“ und „TanzZwang“ Revue passieren lässt. „Dirk Riegner und ich haben direkt nach dem letzten Album vor sechs Jahren angefangen neue Songs zu schreiben und nach gerade einmal vier Sessions hatten wir schon mehr als 30 neue Stücke. Und selbst als wir nach vier Jahren Pause wieder an das Material gegangen sind, waren die meisten davon immer noch gut. Das war einfach zu schade, die nicht zu nutzen und so entstand die Idee, gleich zwei Alben zu machen.“ Bei der Zusammenstellung experimentierte Heppner dann ein wenig und entschied sich letztlich ein Album stilistisch seinem variablen Popverständnis entsprechend zu bestücken. „Für mich war Pop schon immer sehr vielschichtig. Als ich anfing Musik zu machen, da war deutscher Pop nicht so wirklich gut und inspirierend. Während auf Englisch Tears For Fears oder die Smiths den Pop neu definierten, gab es bei uns Modern Talking und Sandra. Das wollte ich auf keinen Fall machen, also habe ich mit Wolfsheim eine Alternative dazu gesucht, was ja auch gelungen ist.“ Die Songs auf „Confessions & Doubts“ gehen diesen Weg weiter, abwechselnd auf Deutsch und Englisch gesungen bieten sie eine bunte Palette verschiedenster Einflüsse – immer Pop, immer in der Basis elektronisch und über allem Heppners einzigartige Stimme, die den Songs bei aller Varianz ein Profil verleiht.

Für das zweite Album hat sich Peter Heppner einen schweren Weg gewählt, ging es ihm hier doch darum seine Grenzen als Künstler auszuloten. „Wir haben die Rohfassungen verschiedenen Produzenten gegeben und die durften dann frei Dance-Versionen daraus machen. Das war ein ganz blödes Gefühl, so loslassen zu müssen. Ich hätte zwar ultimativ ein Veto gehabt, aber ich wollte ja nicht mein eigenes Konzept untergraben. Ich war überrascht, was da zurückkam und musste mich bei einigen Songs auch erst eingewöhnen, aber jetzt finde ich die Platte sehr gelungen.“ Und obwohl Heppner mit seinen Kooperationen bereits Dance im Repertoire hat, wirken die Songs auf „TanzZwang“ ungewohnt. Die Mixe stammen von typischen Dance-Vertretern wie Yann Lauren oder Schiller, aber auch aus der Dark-Szene, vertreten etwa durch Apoptygma Berzerk. Entsprechend greifen die Songs Peter Heppners musikalische Ambivalenz treffsicher auf und zeigen – gerade auch in Kombination mit dem sanfteren Pop-Album – wie vielseitig sein musikalisches Schaffen ist. Mit der langsam untergehenden Sonne ist Heppner mit seinem Kaffee fertig und lächelt zufrieden. „Das ist doch das wichtigste, sich niemals festlegen zu müssen und das machen zu können, wonach man sich fühlt.“

Peter Heppner – „Confessions & Doubts“ und „TanzZwang“

Ursprünglich erschienen im Piranha 10/2018