Das neue Live-Album „ZDF@Bauhaus“ von Ray Wilson zeigt den schottischen Musiker auf dem Höhepunkt seines Handwerks – und der beweist damit Talent zu ganz großer Kunst …

Für jemanden wie Ray Wilson ist die Grundidee des modernistischen Bauhauses sicher gut nachvollziehbar: für den Gründer ging es um die Rückkehr der Kunst zum Handwerk, Kunst als Perfektion der handwerklichen Grundlage. Und das verkörpert Ray wohl, tourt der Mann doch unaufhaltsam und ist ein Meister seines Handwerks. „Ja, ich liebe es einfach live zu spielen“, gesteht Ray, aber Bauhaus war dennoch etwas ganz Besonderes: „Ehrlich gesagt, als es hies wir spielen im Bauhaus habe ich an die Band der 80er gedacht. Aber natürlich ging es um die Design-Schule. Wir haben unsere Show voll und ganz auf die kleine und intime Location abgestimmt. Überall waren diese glatten und reflektierenden Oberflächen, der Raum war lang und schmal. Wir wollten mit dem Set die historische Bedeutsamkeit einfangen und dem Geist des Hauses gerecht werden.“

Seiner Handwerkskunst entsprechend hat Ray die Instrumentierung angepasst und seine Band auf ein neues Set eingeschworen, dabei etwa „Solsbury Hill“ von Peter Gabriel ins Programm genommen, weil es so wunderbar passte. „Wir haben eine tolle Version aufgenommen, mit einer 12-saitigen Gitarre, Violine und Flöte – einfach beeindruckend im Hall des Raums.“ Überhaupt ist die Musik eine schöne Mischung sanfter und energiereicher Songs, die allesamt in nahezu akustischem Gewand daherkommen. „Es ist fast ein Unplugged Konzert, nur dass wir ein volles Drumset dabei haben wollten. Es musste angepasst und leiser eingespielt werden, damit der Raum den Sound nicht aufbricht.“

Und so versammelt das neue „ZDF@Bauhaus“-Album eine gute Mischung von Songs aus allen Perioden des Wilsonschen Oeuvres, von rockenden Stiltskin-Krachern bis zu melancholischen Songwriter-Melodien mit schottischem Einschlag. Besonders stechen noch immer die eingestreuten Songs der Genesis-Phase hervor, bei denen Ray seine früheren Arbeitgeber ehrt und schönen Songs wie „Mama“, „Follow Me, Follow You“ spielt. „Es gab von Seiten der Produktion keine Vorgaben, aber wir haben uns bemüht das Beste aus den Songs rauszuholen, sie an die Location anzupassen.“ Und genau ist das Handwerk, das Ray so beherrscht. Genau das ist seine Kunst.

Ray Wilson – „ZDF@Bauhaus“

Ursprünglich erschienen im Piranha 10/2018