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Game-Tipp: Assassin’s Creed Odyssey

Der Gott des Gemetzels

Mit »Origins« wollte Ubisoft der Reihe neues Leben einhauchen. Hatte sich der Kampf zwischen Assassinen und Templern vom 12. Jahrhundert durch alle wichtigen Phasen der westlichen Geschichte zur Industrialisierung vorgekämpft. Die Luft war raus. »Origins« war der Reset – zurück an den Anfang, den Ursprung des Konflikts und hinein in ein offenes, gänzlich neues Spielgefühl. Doch bereits ein Jahr später, so will es die Logik des Franchise, erscheint mit »Odyssey« nun ein Prequel zum Ursprung. 400 Jahre vor dem alten Ägypten, darf man das noch ältere Griechenland bereisen und dort in der epischen Geschichte des Peloponnesischen Krieges zwischen Athen und Sparta mitmischen. Spielmechanisch hat sich wenig verändert, immer noch steht das Gemetzel im Vordergrund, kann man seine Fähigkeiten trainieren und ein immer besserer Assassine werden. Moment mal. Eigentlich gibt es die Assassinen noch gar nicht – und genau das ist es, was das Spiel als Neuerung zum Franchise beiträgt. Die bekannten Widersacher und Fronten stehen auf einmal nicht im Vordergrund. Vielmehr scheint der Konflikt in einem nahezu universellen Antagonismus begründet zu liegen, zwischen Gut und Böse, zwischen Freiheit und Kontrolle. Die ersten Assassinen sind die Krieger und Herrscher Spartas, deren Kampf dem Willen der Götter Ausdruck verleihen. Zeus selbst hat seinen beschützenden Adler geschickt, um unseren Weg zu begleiten. Und das ist ein Problem des Spiel: Immer neue historische Leinwände werden für seine stringente und gewaltvolle Action benötigt, immer neue Register epischer Helden, die ins Assassinen-Universum vereinnahmt werden. Und so geraten bisherigen Rahmenhandlungen immer mehr in den Hintergrund und neue Umschreibungen der eigenen Spiel-Geschichte werden nötig, um neue Teile im selben Gewand zu rechtfertigen. Aber genau das war das Problem, weswegen man mit »Origins« neu gestartet war. Schade.

Plattform: PS4, Xbox One, PC

Entwickler: Ubisoft Montreal

Anbieter: Ubisoft

USK: 16

Preis: 70 Euro

 

Ursprünglich erschienen im Kreuzer 11/2018