Das neue Album der mexikanischen Band ist ein Ausdruck musikalischer Gespaltenheit. Es vermengt eine intellektuelle Avantgarde-Haltung mit der Schroffheit des Punk. „bi/MENTAL“ ist ein akustisches Kunstwerk mit tiefer Aussage im dem Stil des Independent, Punkrock oder Shoegaze. Hier geht es um das Vermitteln einer Botschaft ebenso sehr wie um den spontanen Lärms und das Ausleben von Aggression. „Es ist als würde die Stimme in mir zugleich dieses Gefühl der Liebe für die Menschen aus sich herausreißen wollen und dann wieder nach einem Licht suchen“, sagt Sängerin Teri Gender Bender zum schizophränen Stil des Albums. Zum einen geht es Teri um die Familie, zum anderen aber auch um die Erkrankung des Geistes – in ihrem Kopf und eben auch auf dem Album eine natürliche Kombination, die aus jedem Song schallt. „Die doppelte Namensgebung der Songs ist eine Amputation der Wurzel. Eine Metapher für die Ent-Bindung vom Leben und meiner Kindheit, für die Disassoziation von der Vergangenheit, um sich selbst zu beschützen.“ Familie ist für Teri mit Gewalt verbunden, mit Missbrauch und Schmerzen. Dennoch will sie nicht alles verdammen und verarbeitet das Trauma nun als Musik: „Die Botschaft hier ist, dass du das Gift loslassen muss, um zu wachsen und immun zu werden. Nur dann wirst du nicht zurückfallen oder es ertragen können, wenn es wieder geschieht. Alles im Leben geschieht in zwei Extremen, diese Realization braucht es.“ „bi/MENTAL“ ist ein Ausdruck genau dieser Extreme – schwere Kost, leichtes Spiel.

 

Le Butcherettes – „bi/MENTAL“

 

Artikel ist ursprünglich erschienen im Piranha 01/2019