Mit Musik gegen die Stimmen im Kopf

Bis auf die Knochen geht der Seelenstrip, den Leigh Kakaty, Sänger der US-Rocker Pop Evil, mit seinem neuen, siebten Studioalbum „Skeletons“ vorlegt. Elf Songs, die zwar positiv bleiben, aber doch in den Abgrund schauen…

Es ist schon das zweite Album, das die vier Musiker von Pop Evil im zeitlichen Umfeld der Pandemie geschrieben, produziert und nun veröffentlicht haben. Und die musikalischen Ähnlichkeiten zu „Versatile“ sind durchaus spürbar, doch gerade in Sachen Text und Botschaft sticht „Skeletons“ schon ein wenig heraus. Kakaty meint dazu, dass die Pandemie ihre Spuren hinterlassen hat und es schwer war, sich voll auf das Positive zu konzentrieren. Entsprechend sind die Bilder, die seine Texte aufrufen nicht immer leicht und fröhlich. Die erste Single des Album hieß „Eye of the Storm“ und besticht durch harte, schwere Riffs. Kakaty singt vom Kampf gegen externe Kräfte: „Es gab schon so einige schwere Stürme, die ich im Laufe meines Lebens zu meistern hatte. Jeder einzelne härter als die zuvor. Aber für mich ging es dabei immer darum weiterzumachen und den Sturm über sich hinwegziehen zu lassen. Das ist nicht immer leicht.“ So gehörte auch Corona zu den Herausforderungen der Band, aber Kakaty hat Pop Evil auch durch diese harte Zeit gebracht: „Ich habe das Gefühl, dass die Musik immer das wichtigste in meinem Leben war, das was mich durchhalten ließ und mir die Kraft gegeben, auch wenn mir die Decke auf den Kopf gefallen ist.“ Dabei ist das Bandgefüge für den aus Michigan stammenden Sänger ein wichtiger Punkt: „Beim Musikschreiben habe ich gemerkt, wie wichtig und motivierend es für mich ist, dass ich anderen helfen kann. Ich denke, manchmal kommt es nur darauf an zu wissen, dass man nicht alleine ist, dann schafft man es den Sturm zu meistern, dagegen anzukämpfen und weiterzumachen.“

Auch die zweite Single, „Paranoid“ vermischt persönliche Momente mit positivem Outlook. Wiederum eine der härteren Nummer auf dem Album geht es hier vor allem um die Frage, wie man seine eigenen Dämonen unter Kontrolle hat. Mental Health ist für Kakaty ein wichtiger Punkt: „Ich schreibe sehr offen und organisch, das was raus kommt bestimmt wo der Song hingeht. Aber ja, Depression und andere Aspekte der Mental Health sind etwas, das uns alle beschäftigt und mit dem wir umgehen lernen müssen. Ich wollte für dieses Album nicht vor solchen dunklen Themen zurückschrecken und habe mich damit beschäftigt, hoffentlich auch eine positive Botschaft gefunden.“ Der Song beschreibt die Stimmen im Kopf, die einem im Wege stehen und manchmal keine besonders guten Berater sind. Kakaty kennt die Stimmen, sucht selber noch nach Wegen sich mit ihnen zu versöhnen: „Mal ehrlich man, ich wünschte ich hätte eine Antwort darauf. Ich kämpfe damit, die ganze Zeit. Manchmal versuche ich sie zu verdrängen und grabe sie unter. An manchen Tagen ist es besser, an anderen schlechter. Der Song ist für mich so eine Art Therapie geworden und ich habe versucht ihn mir vorzusingen, wenn die Stimmen gerade mal wieder meinen Kopf übernehmen wollen.“ Die Musik, darauf kommt er immer wieder zurück, das sei sein Weg etwas Positives in die Welt zu senden. Bis „Skeletons“ fertig war hat es etwas gedauert, eine Pandemie musste überwunden werden. Aber letztlich hat Kakaty es geschafft, elf wunderbar rockende, eingängige Songs zu schreiben, die jetzt als Botschaft in die Welt gehen.

Pop Evil – „Skeletons“

Ursprünglich erschienen im Classic Rock 04/2023