Das Trauma überwinden

Mit „Skeletons“ erscheint bereits das zweite Album der US-Rocker Pop Evil, das im Schatten der Coronazeit entstanden ist und wie der Vorgänger „Versatile“ die Band auf der Suche nach dem neuen ‚Normal‘ zeigt.

Manchmal ist das Timing einfach alles. Im Winter 2019 begannen Pop Evil damit neue Songs für ihr sechstes Studioalbum „Versatile“ zu schreiben und wurden gerade so vor dem Lockdown fertig damit. Es dauerte dann aber bis zum Mai 2021 bevor das bereits Monate zuvor begonnene Album veröffentlicht wurde – die Coronazeit hatte einige Steine in den Weg der Produktion gelegt. Mit „Skeletons“ erscheint nun ein Album, das einerseits aus der selben Zeit stammt, aber einige Krisen und Sorgen mehr Zeit hatte sich zu entwickeln. Sänger und Songwriter Leigh Kakaty beschreibt die beiden Platten als verbunden: „Wir entwickeln uns ständig weiter, aber beide Alben entstanden im Songwriting etwa zur selben Zeit, zumindest im groben Zeitrahmen. Es gibt deutliche Übereinstimmungen zwischen ihnen. Aber wir waren schon immer sehr an verschiedenen und gemischten Stilformen interessiert, dass die Alben schon unterschiedlich klingen.“ Beiden Alben ist gemein, dass sie die Band als unglaublich variable Musiker zeigt, die in Sachen Rock Einflüsse aus allen Bereichen ziehen.

Mit „Skeletons“ versuchen Pop Evil den eigenen Sound aber noch besser auszudefinieren, die Reflektion der Coronazeit positiv zu nutzen. Der positive Grundton der Platte fällt auf, auch wenn Kakaty gerne düstere oder makabre Bilder für seine Feel-Good-Botschaften wählt. „Das mit dem Skelett ist so ne Sache – wir haben alle eins, entweder in unserem Körper oder eben manchmal im Garten vergraben, wenn du weißt was ich meine. Und auf diesem Album geht es eben darum, uns so richtig ‚bis auf die Knochen‘ ehrlich zu machen. Auch musikalisch unsere Wurzeln anzuerkennen, um damit einen Schritte nach vorne zu machen. Klingt paradox, aber wir haben dadurch viel Energie und wieder mehr Gitarren zurück in die Musik gepackt.“

Dabei hat sie die Pandemie durchaus getroffen und in ihrem Schaffen beeinflusst, das Line-Up musste verändert werden, Reisebeschränkungen machten die Arbeit an den Alben schwer, von persönlichen Erfahrungen und Erkrankungen ganz abgesehen. Kataky aber ist zuversichtlich, „Ich denke, durch die Pandemie zu gehen war schon hart, aber wir haben versucht mit diesem Album wieder das Positive zurück zu bekommen und das zeigt sich auch in meinem Lyrics. Ich fühle mich so geehrt, wenn es jemandem durch die Musik ein Stück weit besser geht, wenn ich ein wenig zum Soundtrack seines Lebens beitragen kann. Ich schreibe einfach was ich fühle, aber es ist ein großartiges Gefühl, wenn das jemanden erreicht.“ So wie die Songs auf „Skeletons“, die hoffentlich dabei helfen, die Coronazeit hinter uns zu lassen. Für Pop Evil jedenfalls hat das schon mal geklappt.

Pop Evil – „Skeletons“

Ursprünglich erschienen im Piranha 03/2023