Schwedischer Death Metal aus Deutschland

Als Musikjournalist ist man es gewohnt, dass man von Bands dafür kritisiert wird, Schubladen zu nutzen, die zumeist wenig repräsentativ sind. Wenn aber eine deutsche Band selbst überall mit ‚Swedish Death Metal‘ wirbt, kann das schon mal zu Verwirrungen führen.

Der Waschzettel zum Debüt von Dawn of Disease jedenfalls ist englischsprachig und verweist laut tönend auf den schwedischen Death Metal der Band. Klar, dass bei dieser Bezeichnung schon mal die Fans (wie auch journalistische Kollegen) irritiert sind und der Osnabrücker Band schwedische Wurzeln andichten: „Es kommt vor, dass wir als Schweden bezeichnet oder von Fans aus Deutschland auf Englisch angesprochen werden. Aber der Begriff bezieht sich lediglich auf die musikalische Ausrichtung. Mit ‚German Death Metal‘ kann keiner großartig was anfangen, außer daraus das Herkunftsland herzuleiten. Bei ‚Swedish Death Metal‘ wiederum assoziiert man gleich eine bestimmte Musikrichtung und kann sich darunter etwas vorstellen.“ Tomasz Wisniewski, Sänger und Kopf der Band, verweist auf den eindeutig am skandinavischen Sound ausgerichteten Stil der Band als Begründung für die Genrebezeichnung: „Die Schweden paaren Härte mit (mal weniger, mal mehr) Melodien und erzeugen Atmosphäre im Death Metal. Das hat einfach seinen eigenen Charakter, bei dem es nicht nur darum geht möglichst brutal, schnell, oder technisch zu sein. Und so ist es auch bei uns.“ Und da man in Deutschland nicht auf eine eigene Death Metal Tradition zurückgreifen kann, sich aber sehr wohl von deutschen Metal-Sounds abheben will, haben die Jungs entschieden, sich ihre nordische Vorliebe auf das Banner zu schreiben: „Deutschland ist einfach nicht bekannt für ’seinen‘ Death Metal, wie zum Beispiel für seinen Thrash Metal. Es gibt in Deutschland keine wirklich international große Death Metal Band. Entweder kommen die Bands aus Skandinavien oder aus Amerika. Was aber nicht heißt, dass es hier keine guten Bands gibt, man hat es als deutsche Band halt nur schwerer. Vor allem in Deutschland selbst“, sagt Wisniewski.
Dabei schicken sich Dawn of Disease gerade an, dem Mangel an deutschem Death Metal mit Profil entgegenzutreten, gerade auch wegen der Erfahrung, die die Musiker mitbringen. Nach einem ersten Versuch die Band bereits 2003 zu lancieren, musste Wisniewski 2007 wegen ständiger Line-Up Probleme aufgeben und in anderen musikalischen Gefilden sein Glück probieren. Als das aber auch nicht fruchtete, nahm er DOD 2010 wieder in Angriff und sammelte Streiter aus seiner lokalen Umgebung zusammen: „Der Neuanfang bereitete uns keine Probleme, ganz im Gegenteil. Wir haben die Energie der Band dadurch um ein vielfaches verstärkt. Wir sind alle voll dabei und haben Bock auf die Band. Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis und die Scheibe repräsentiert in der Tat den Neuanfang ideal. Das Album zeigt die Entwicklung innerhalb der Band und bereitet einen gut darauf vor, was noch so von uns zu erwarten ist. Diesmal ist so schnell kein Ende in Sicht!“ Der erste Schritt, ein mächtiges Debüt ist jedenfalls getan, jetzt bleibt also nur abzuwarten, wann der Erfolg die Band dazu verleitet, ihre Bezeichung auf der Website in „German Death Metal“ umzuändern.

Ursprünglich erschienen im Piranha 05/2011 und auf Piranha.tv.