Auf neuen Wegen …

Bislang kannte man Sal Abruscato als den Mann an den Drums. Zuerst knüppelte er bei Type-O-Negative und dann bei Life of Agony, doch mit seiner neuen Band A Pale Horse Named Death wagt er nun den Schritt nach vorne. 

Auch wenn die Fans seit dem Comeback-Album der Band vor nunmehr sechs Jahren immer noch auf ein neues Life of Agony-Album, so sind die Mitglieder der New Yorker Rocklegende in ihren Solokarrieren keineswegs untätig. Nach Joey Z. und Keith Caputo folgt nun auch Drummer Sal Abruscato dem Trend zum Eigenen und veröffentlicht endlich das bereits für 2010 angekündigte Debütalbum seiner Band A Pale Horse Named Death. Dabei hat er die Position hinter den Trommeln verlassen und versucht sich nun als Frontmann und Chef einer im New Yorker Freundeskreis rekrutierten Band. Obwohl Abruscato mehr oder weniger alleine für die Songs verantwortlich zeichnet, hat er seinen guten Freund Matt Brown von Seventh Void quasi als Erfüllungsgehilfen mit ins Boot geholt. Und um das Projekt auch live zu Leben zu erwecken, ergänzen Bobby Hambel (Biohazard), Johnny Kelly (Type-O, Seventh Void) und der Newcomer Eric Morgan die Band zu voller Stärke. Was hier wie ein Best-of-Line-Up der New Yorker Musikszene klingt ist für den umtriebigen Abruscato jedoch nichts weiter als der engere Freundeskreis: „Wir kennen uns seit Jahren, sind befreundet, und als ich ihnen von meiner Idee vorschwärmte, endlich was Eigenes und Neues ausprobieren zu wollen, da waren sie sofort alle ganz begeistert.“

Das eigene Konzept für die ganz eigene Band umzusetzen war Abruscato aber wichtig, denn er hatte zuvor nur selten Gelegenheit gehabt, kreative Ideen frei zu entwickeln, wie er über Life of Agony berichtet: „Wenn man in kollaborativen Bands spielt, dann müssen alle dem kreativen Prozess und den Ideen zustimmen und das ist dann schnell frustrierend und wenig ergiebig für den Einzelnen. Bei APHND ist das anders denn hier ist der Prozess von mir alleine gesteuert. Ich habe Kontrolle über die Musik, das war mir wichtig. Die neue Rolle als Frontmann ist eine Herausforderung für mich, aber zugleich auch unglaublich spannend. Es macht mir jedenfalls jede Menge Spaß.“ Um die Songs aber zu voller Reife zu bringen war dann doch der Input von Außen nötig, wie Abruscato erzählt: „Matt hat mir in der schweren Zeit damals geholfen. Die Songs sind wie dunkle Materie, voller Energie aber schwer zu beherrschen. Es geht viel um Depression und die Verarbeitung von Problemen, unter anderem den Tod meines guten Freundes Peter Steele, aber auch um meine Scheidung damals. Matt hat diesen Haufen Probleme genommen und mir geholfen mit der Musik einen Abschluss zu finden, er hat die Songs auf die nächste Stufe gebracht.“ Musikalisch wie auch thematisch – es geht um Drogen, Selbstmord, Einsamkeit und Wahnsinn – kann man in And Hell Will Follow Me also die rechtmäßige Life of Agony-Nachfolge sehen. Bleibt jedoch die Frage, ob es dieser überhaupt bedarf? Abruscato sagt dazu nur: „Na ja, sieh es mal so: Life of Agony befinden sich auf unbegrenzte Zeit im Urlaub.“ Alles klar?

Ursprünglich erschienen in Piranha 08/2011 und hier zu lesen auf Piranha.tv